YOO Interview · Runde 2
Growth Marketing Specialist (60–70 %) · neu geschaffene Stelle
Mittwoch, 5. August 2026 · 13:00 Uhr
Hirschgässlein 11, 4051 Basel
Sebastian Westhues (CCO) · Florian Wagner (Key Account & Projekt)
Runde 3 folgt mit Christian (CEO) – dieser Termin ist Vorstufe
1 · Deine Grundhaltung – du willst den Job
Der wichtigste Unterschied zu Runde 1: Du gehst nicht mehr als Übungskandidat rein. Du willst diese Stelle. Das darf spürbar sein – nicht anbiedernd, aber klar: du siehst hier deinen nächsten Schritt und bist bereit, dich einzubringen.
Dein Kernsatz für innen: Kommunikationsprofi verschiebt Fokus Richtung Digital / Growth / KI und sucht Team-Umfeld. Das ist deine Story. Alles andere ordnet sich diesem Satz unter.
Sebastian hat dich beim ersten Call krankheitsbedingt nicht gesehen – morgen ist eure erste Live-Begegnung. Sein Eindruck ist der entscheidende Faktor dafür, ob du in Runde 3 mit Christian eingeladen wirst.
2 · Wer sitzt dir gegenüber
Sebastian Westhues – CCO, Chef Marketing & Sales
Bei YOO seit der ersten Stunde – prägt die Aussenwahrnehmung der Agentur.
Seit 2021 Führung des Marketing-Teams (übernommen von Nino Koller, jetzt COO).
Ex-Kreativer, visueller Denker – spricht deine Sprache.
Familienmensch – Werteorientierung wichtig.
Prognose: Er wird deine 20 Jahre Art Direction sofort einordnen können. Kein Bluffen, aber du kannst inhaltlich anspruchsvoll werden. Er will jemanden, der Kreativität und Systemdenken zusammenbringt.
Florian Wagner – Key Account Manager & Projektmanager
Über 7 Jahre bei YOO. Fokus: E-Commerce-Optimierung, Kundenbeziehungen.
Intershop-Expertise, HERMES-5-Zertifikat (Schweizer Projektmanagement-Standard).
Motivation eigener Worte: „Geschäftsprozesse unserer Kunden vereinfachen und verbessern.“
Schätzt offene Unternehmenskultur – Signal: Team-Chemie ist ihm wichtig.
Prognose: Er prüft, ob du im Kundenkontakt trittsicher bist, Projekte strukturiert angehst und im Team zuverlässig bist. Delivery-Perspektive.
Duo-Dynamik:Sebastian prüft Denken und Haltung, Florian prüft Umsetzung und Verträglichkeit. Sprich beide direkt an, richte deinen Blick nicht nur auf einen. Bei strategischer Frage von Sebastian: „Florian, wie würdest du das aus Kunden-Sicht sehen?“ Das zeigt Team-Instinkt.
3 · YOO-Facts, die du beherrschst (aus Runde 1)
Digitalagentur Basel, seit über 20 Jahren, hat sich in 7 Jahren verdoppelt.
Alles projektbasiert, keine eigenen Produkte.
Kunden u.a. Telebasel, Baloise Session, Hitachi (langjährig), ABB.
Eigene Sales/Marketing-Division seit 5–6 Jahren – diese Stelle ist neu und erweitert dieses Team.
Kein Risikogeschäft, konservativ finanziert: Löhne 14 Monate gedeckt.
13 Monatslöhne + 10 % Gewinnbeteiligung im Juni an alle Mitarbeitenden.
Jahresarbeitszeit, Zeiterfassung mit Tickets, Wahl Mac oder Windows.
42 Stunden KI-Weiterbildung pro Jahr pro Mitarbeiter seit 2026 – das ist deine Andockstelle. Erwähnen!
Workshop-Woche Kroatien; 2027 Team-Reise ins Tessin.
4 · Deine erweiterte Story
„Ich bin seit über 20 Jahren in Basel als Grafikdesigner und Art Director tätig – Studio Studio, Kunden wie Kunstmuseum Basel, Fondation Beyeler, Vitra, Roche, Carhartt WIP. In den letzten zwei Jahren habe ich meinen Schwerpunkt bewusst verschoben: weg von reiner Gestaltung, hin zu digitalen Produkten und KI-getriebener Arbeit. Ich baue eigene SaaS-Prototypen mit Claude Code, entwickle KI-Bot-Konzepte, arbeite täglich mit dem, was YOO seinen Kunden gerade als Zukunft verkauft.“
„Der Grund, warum ich mich hier bewerbe: Selbständig komme ich in diesem neuen Feld nur begrenzt weiter. Ich brauche ein Team – Profis aus verschiedenen Disziplinen, an denen ich mich reiben, mit denen ich lernen und liefern kann. Studio Studio will ich auf ein Minimum reduzieren, das ist für mich klar. Growth Marketing bei einer Agentur, die selbst KI-Trainings anbietet und intern 42 Stunden pro Jahr in KI-Weiterbildung investiert, ist genau die Schnittstelle, wo mein Hintergrund und meine nächste Etappe zusammenkommen.“
5 · Die neue Stelle als dein strategischer Hebel
Die Stelle wurde speziell für diese Rolle neu geschaffen – es gibt keine 1:1-Vorgängerin. Patricia war in einer angrenzenden Marketing-Rolle, aber Growth Marketing Specialist ist ein neuer Zuschnitt. Das gibt dir einen seltenen Vorteil: du darfst die Rolle mitprägen.
Nutze das explizit: Frag nach der Vision für diese Rolle. Sag, dass du gerne mitdenkst, wie ihr sie in den ersten sechs Monaten formt. Das signalisiert unternehmerische Haltung – genau das, was Sebastian und Florian bei einer neu geschaffenen Position suchen.
6 · Case-Fragen – wie du denkst
Ein Kunde kommt mit CHF 5'000 Monatsbudget und will seine Leads verdoppeln. Wie gehst du vor?
„Zuerst zwei Fragen zurück an den Kunden: Was heisst Lead für dich – MQL, SQL, oder alles, was ein Formular ausfüllt? Und was ist die aktuelle Conversion-Rate von Lead zu zahlendem Kunden? Ohne diese zwei Zahlen ist ‚Leads verdoppeln‘ ein Wunsch, kein Ziel. Dann Landing Page und Funnel-Analyse: wo bricht es? Meist ist mehr Traffic nicht die Lösung, sondern bessere Qualifikation vor dem Formular. Bei CHF 5'000/Monat würde ich einen A/B-Test der bestehenden Landing Page fahren, parallel eine kleine Paid-Kampagne auf den drei höchstintent Keywords. Ergebnis in 6 Wochen messbar, dann entscheiden wir, ob wir skalieren oder umbauen.“
Kampagnen-CTR fällt seit drei Wochen. Deine ersten drei Schritte?
„Erstens: Ist der Rückgang aggregiert oder auf ein bestimmtes Segment / einen Kanal beschränkt? Wenn Meta einbricht, aber Google stabil ist, ist es algorithmische Verschiebung, nicht Kreativmüdigkeit. Zweitens: Frequency-Check. Wenn dieselben User die Kampagne zum zehnten Mal sehen, ist es Creative Fatigue. Dritte Wahrscheinlichkeit: Wettbewerbsbid – jemand hat gerade das Budget verdreifacht und die Auction wird teurer. Erst nach dieser Diagnose entscheide ich, ob wir neue Creatives brauchen, die Zielgruppe wechseln oder das Bid anpassen.“
Beschreibe ein Marketing-Projekt, das schiefgelaufen ist.
„Bei GoodGoods, meiner eigenen App, habe ich zu früh auf Freemium mit zwei Preistiers gesetzt (CHF 3.90 und 6.90), ohne die Conversion vom Free-Tier klar definiert zu haben. Ergebnis: viele Nutzer haben den kostenlosen Teil abgegrast und sind nie konvertiert. Lernkurve: Free-Angebot muss so eng kalibriert sein, dass die Value-Grenze im Kopf des Nutzers klar wird. Wir haben nachgezogen und die Free-Features chirurgisch beschnitten. Retention hat sich stabilisiert, Conversion ist gestiegen. Fehler: zu grosszügig gestartet. Lernerkenntnis: Preistiers werden rückwärts vom Value-Metric designed, nicht vorwärts von Wunschzahlen.“
Wie würdest du KI konkret in einem Kundenprojekt bei YOO einsetzen?
„Drei Ebenen. Erstens: interner Speed – Recherche, erste Konzeptvarianten, Copy-Iterationen mit Claude oder ähnlichem. Zweitens: Client-facing Produkte – z. B. Lead-Qualifizierungs-Bots auf Kunden-Websites, die BANT-Signale extrahieren und den Vertrieb entlasten. Drittens: Marketing-Automation – dynamische Content-Anpassung nach User-Segment. Alles drei baue ich bereits privat mit Claude Code als Prototypen. Bei einem YOO-Kunden würde ich mit dem operativ einfachsten Use Case starten, um schnell Vertrauen aufzubauen, bevor wir strategische KI-Integration angehen.“
7 · Dein Show-and-Tell – GoodGoods als Case Study
Wichtiger taktischer Move: Verweis explizit auf deine öffentliche Case Study: studiostudio.ch/goodgoods. Sie ist Personas, Zielgruppen und B2B-Anwendung sauber aufgezogen – dokumentiertes Marketing-Denken auf einer Ebene, die bei Kandidaten selten vorkommt. Der lauffähige Prototyp liegt unter goodgoods.studiostudio.ch (in der Case Study klar als Mockup gekennzeichnet).
Der Pitch in 60 Sekunden
„GoodGoods ist mein eigener strategischer Case – eine KI-gestützte App zum Indexieren und Verwalten von Lebensmitteln und anderen Artikeln. Ich habe das nicht nur gebaut, ich habe es als vollständige Case Study dokumentiert: auf studiostudio.ch/goodgoods findet ihr Personas, drei ausgearbeitete Zielgruppen und die technischen Features. Der Prototyp läuft unter goodgoods.studiostudio.ch – in der Case Study klar als Mockup gekennzeichnet, Stripe-Anbindung technisch end-to-end funktional, was aktuell fehlt sind signifikante Nutzerzahlen.“
„Strategisch spannend an dem Case ist die Mehrfach-Anwendung. Ich habe drei Zielgruppen definiert: Alltagshaushalte (Food-Waste vermeiden, Geld sparen), Notvorrat-Manager (Preppers, Familien mit langer Vorratshaltung), und Retail-Inventur als B2B-Anwendung. Jede Zielgruppe verlangt ein anderes Messaging, andere Kanäle, ein anderes Preistier – aber alle nutzen denselben Core: Videoscan, Ablaufdatum-Intelligence, Listenverwaltung.“
„Dazu habe ich drei Monetarisierungs-Modelle nebeneinander durchgedacht: Freemium mit Premium-Tiers (CHF 3.90 Premium / CHF 6.90 Family via Stripe), tokenisierter Zugang für KI-lastige Funktionen (Nutzer zahlen für AI-Requests, nicht für Features), und Ad-Support im Free-Tier über direkte Markenpartnerschaften – nicht über AdSense. Das Interessante als Growth-Thema: die Wahl des Modells ist keine Bezahlungs-Frage, sondern eine Marketing-Entscheidung.“
„Genau diese Ebene reizt mich – und genau das würde ich bei YOO an echten Kundenprojekten machen wollen.“
Erwartete Rückfragen und deine ehrliche Antwort
„Nutzerzahlen?“ → „Keine signifikante Basis. Ich habe die konzeptionelle und technische Arbeit priorisiert und bewusst noch keinen Growth-Push gestartet. Genau das ist der nächste Schritt – und genau dort will ich lernen, in einem Team wie eurem.“
„Stripe wirklich live?“ → „Ja, Payment-Flow funktioniert end-to-end – Free-Tier, zwei Premium-Tiers, Subscription-Verwaltung. Was fehlt, sind zahlende Kunden.“
„Wie kam die B2B-Retail-Idee dazu?“ → „Aus dem Grundnachdenken heraus: Das Core-Feature Inventur-Management ist für Alltagshaushalte nice-to-have, für kleine Retail-Betriebe ein reales Business-Problem. Selber Code, andere Zielgruppe, andere Preise. Klassische Marktverbreiterung ohne Produktverdopplung.“
„Was hast du dabei gelernt?“ → „Zwei Sachen. Erstens: Ein Preistier ist eine Positionierungsentscheidung, keine Kalkulation. Zweitens: Multi-Persona-Design ist Growth-Multiplikator – dasselbe Produkt trifft mehr Märkte, wenn man die Zielgruppen sauber trennt.“
„Gehst du jetzt Vollgas?“ → „Es ist ein fokussierter Nebentopf, den ich iterativ weiterentwickle. Meine Vollzeit-Energie würde ich klar einem Team widmen – nicht weiteren Solo-Ventures.“
Warum das für YOO andockt: Du zeigst technische Umsetzungsstärke (Stack läuft, Stripe live), strategisches Marketing-Denken (drei Personas, drei Zielgruppen, drei Monetarisierungs-Modelle) und B2B-Instinkt (Retail-Anwendung). Genau die drei Ebenen, die YOO seinen Mittelstands-Kunden verkauft. Was fehlt – die Traffic-Seite – ist genau die Kompetenz, die du hier aufbauen willst.
8 · Deine Selbständigkeit – die kritische Frage
Sebastian und Florian werden es fragen. Vorbereitete klare Antwort:
„Studio Studio läuft seit 2016. Ich habe ausgewählte Bestandskunden, mit denen ich weiter arbeiten möchte – pro Monat höchstens ein bis zwei Tage Aufwand. Alles darüber hinaus wird abgebaut. Ich will keine Doppelbelastung, sondern klar und für mich sichtbar meinen Schwerpunkt auf YOO verlagern. Konkret bedeutet das: keine Neukunden mehr im Studio, laufende Kunden mit klar begrenzter Zeit, eventuell Weiterreichen an ehemalige Kolleg:innen.“
Was du vermeidest: „Ich schaue mal“, „ist noch offen“, „kommt darauf an“. Zeig, dass du das durchdacht hast – das ist ein Trust-Signal für Florian besonders.
9 · Deine Rückfragen – tiefer, konkreter
Die Vision-Frage (deine stärkste)
„Die Rolle ist neu. Was ist eure Vision dafür in 12 Monaten – was soll YOO dann können, was ihr heute noch nicht könnt?“
An Sebastian
„YOO hat mit den 42 Stunden KI-Weiterbildung pro Mitarbeiter ein starkes Signal gesetzt. Wie hat sich das in den letzten Monaten auf konkrete Kundenprojekte ausgewirkt?“
„Was ist für dich als CCO der Unterschied zwischen einer guten und einer hervorragenden Growth-Kampagne in eurem Portfolio?“
An Florian
„Wie sieht ein typischer Dienstag bei dir aus – wieviel Kundenkontakt, wieviel Team-Zeit, wieviel Deep Work?“
„Wo entstehen in Kundenprojekten die produktivsten Reibungspunkte zwischen Marketing, Growth und Projektleitung?“
An beide
„Wenn ich in einem Jahr hier sitze und der Job hat funktioniert – woran würdet ihr das merken?“
„Wie geht es nach diesem Gespräch weiter – wann wäre der Termin mit Christian denkbar?“
10 · Gehalt – wenn es konkret wird
Anker aus Runde 1: CHF 93'000 auf 100 %. Bei 60–70 % pro rata ergibt das einen Rahmen von CHF 55'800 bis 65'100 Jahresgehalt, brutto, aufgeteilt auf 13 Monatslöhne = ca. CHF 4'290 bis 5'000 pro Monat.
Wenn du gefragt wirst, ideal keine Zahl vor ihnen nennen. Falls unumgänglich:
„Ihr habt beim letzten Call einen Rahmen von rund CHF 93'000 auf 100 % erwähnt – das entspricht bei 60–70 % einer Bandbreite, in der ich mich gut wiederfinde. Konkret wäre ich beim oberen Ende dieser Range angesiedelt – also im Bereich CHF 62'000 bis 65'000 Jahresgehalt bei 70 % – gegeben mein Senior-Profil und meine Doppelqualifikation Kommunikation und Digital / KI.“
Nicht vergessen: Zusätzlich 10 % Gewinnbeteiligung im Juni + 13. Monatslohn sind Teil des Pakets. Das erhöht das effektive Jahresgehalt.
11 · Vor Ort – Praktisches
Anfahrt: Hirschgässlein 11 – vom Bahnhof SBB ca. 8 Min zu Fuss. 12:40 Uhr dort sein, ins Café gegenüber, Kopf sortieren.
Kleidung: Sauberes Hemd oder Feinstrick-Rolli, dunkle Hose, gute Schuhe. Kein Anzug, keine Krawatte. Digitalagentur, Sommer, Basel. Du bist Art Director – Stilsicherheit zeigen ohne overdressed zu sein.
Reingehen: Fester Handschlag, direkter Blickkontakt zu beiden, klarer Name. Zu Sebastian: „Schön dich persönlich zu treffen – beim letzten Call warst du leider verhindert.“ Zeigt, dass du dich erinnerst.
Während des Gesprächs: Notizblock plus Stift auf den Tisch. Du wirst gute Details hören, die du merken willst. Zeigt Professionalität.
Wasser: nachfragen und annehmen. Der Griff zum Glas gibt dir Denkpause bei schwierigen Fragen.
Am Ende: „Es war mir eine Freude, danke für die Zeit. Ich melde mich morgen kurz per Mail.“ Verbindlich, ohne aufdringlich zu sein.
12 · Follow-up am Donnerstag
Innerhalb 24 Stunden eine kurze Mail an beide (Sebastian und Florian direkt, Marieke in CC). Nicht generisch – mit einem konkreten Bezug aus dem Gespräch. Zwei bis vier Sätze reichen. Beispiel:
„Lieber Sebastian, lieber Florian, danke für das offene Gespräch gestern. Besonders hängen geblieben ist mir [konkreter Punkt X, den einer der beiden gesagt hat]. Ich sehe darin genau die Schnittstelle, an der ich mich gerne einbringen würde. Ich freue mich auf den nächsten Schritt mit Christian. Herzliche Grüsse, Alain.“
Sebastian und Florian entscheiden, ob du Christian triffst.
Sei entschieden, sei du selbst, und lass durchscheinen, dass du hier ankommen willst.